
paraSITE: Michael Rakowitz
paraSITE ist ein Projekt, das Obdachlosen aus Cambridge, Boston, New York City und Baltimore auf Wunsch individuelle, aufblasbare Behausungen aus provisorischen Materialien, die leicht auf der Straße zu bekommen sind (z.B. Plastiktüten, Klebeband) anbietet. Das Design der von Beduinen-Zeltlagern inspirierten beheizten Doppel-Membran-Unterkünfte (Materialkosten: 5 Dollar), die - vergleichbar mit biologischen Parasiten - von der Straße aus mit einem Schlauch an den Abluftdurchlass von Klimaanlagen in den Fenstern von Wohnungen angeschlossen werden (wodurch sie sich aufrichten und im Inneren erwärmen), erarbeitet Rakowitz mit den Obdachlosen, an die er bislang über 30 maßgeschneiderte, spezialangefertigte Prototypen des paraSITE-Zeltes frei verteilte. Gedacht als praktische Hilfe, öffentliche Wahrnehmung eines nationalen Problems und soziale Kritik, funktionieren diese Unterschlüpfe nicht nur als vorübergehende Orte der momentanen Milderung und des Rückzugs, sondern auch als Stationen des Dissens und der eigenen Kraft wie auch als Werkzeuge des sichtbaren Protests, die eine Verweigerung zur Kapitulation kommunizieren und die unakzeptablen Umstände, unter denen Obdachlose in der Stadt leben, sichtbarer machen (obdachlose Benutzer schrieen sogar Parolen wie “Wir schlagen dich, Onkel Sam!”). Bald geriet diese “Heftpflaster-Lösung” als “erweiterte Form des Privateigentums” in starke Kontroversen, als der frühere New Yorker Oberbürgermeister Rudolph Giuliani nach Einführung seiner Anti-Homeless-Laws die Benutzung jeder Struktur, die höher als dreieinhalb Fuß war, als Akt illegalen Zeltens ahnden ließ. Michael McGee entwarf mit Rakowitz eine Unterkunft, die als eine Art Schlafsack oder “Körpererweiterung” sehr niedrig war, sodass sich der Polizist, der ihm einen Strafzettel verpassen wollte, durch Nachmessen und Feststellen der eingehaltenen gesetzlichen 3,5 Fuß Grenzhöhe von dannen machen musste.